Freitag, 20. Juli 2018

                                                                              

Einleitung:

39 Jahre nach seinem Abitur kehrte der Molekularbiologe Klaus Früh am Montag, dem 12. März wieder an das Gymnasium Kenzingen zurück und hielt an seiner ehemaligen Schule für die Zehnt- und Elftklässler anlässlich des 140-jährigen Jubiläums einen Vortrag über seinen Werdegang und seine Arbeit. Die Schüler waren begeistert von seiner Laufbahn und hatten so die Möglichkeit, viele Eindrücke und Inspirationen für ihre Zukunft mitzunehmen. Im Anschluss an den Vortrag traf er sich mit David Schaeffert, Mitglied der AG Journalistisches Arbeiten, der für das Kooperationsprojekt „Schüler machen Zeitung“ ein Interview mit ihm führte.

 

David: Was ist es für ein Gefühl für Sie, 39 Jahre nach dem Abitur wieder hierher an das Gymnasium Kenzingen zurückzukommen?

 

Klaus Früh: Es ist einiges noch sehr vertraut. Das Direktorenzimmer befindet sich am selben Ort wie früher, Treppen, Hallen und Klassenzimmer sind unverändert. Es wirkt wirklich alles noch sehr nah. Man hat ja immerhin neun Jahre hier verbracht, sodass es wirklich etwas Besonderes ist, nach einer solch langen Zeit wieder an so einen angenehmen Ort zu kommen.

 

David: Womit verbinden Sie Ihre Schulzeit am Gymnasium Kenzingen?

 

Klaus Früh: Die Zeit in Kenzingen verbinde ich mit vielen positiven Eindrücken. Ich hatte damals sehr enge Freundschaften, die bis heute angehalten haben. Heute Abend gehe ich beispielsweise mit einem alten Schulfreund essen. Man hat Kontakte fürs Leben geknüpft.

Außerdem war die Ausbildung sehr gut und an der Universität später hat mir deshalb auch nie etwas gefehlt.

 

David: Welche Erinnerungen kommen auf, wenn Sie beispielsweise über den Pausenhof oder durch die Eingangshalle gehen?

 

Klaus Früh: Ich habe damals mit meinem Kollegen Thomas Baumann die Aquarien in der Eingangshalle installiert. Und das Erste, was ich sehe, wenn ich hier in die Schule komme, sind die Schaukästen, wo diese früher waren.

Selbstverständlich sind auch die erste Liebe, die ersten intensiven Beziehungen und unsere wilden Partys damals Dinge, die mir direkt in den Kopf schießen. Nach dem Abitur haben wir zum Beispiel 30 Tage am Stück gefeiert und waren jeden Tag woanders. (lacht)

Woran ich mich aber wirklich am besten und zuerst auch erinnere, sind die Arbeit für die Biologie und meine Klassenkameraden.

 

David: Würden Sie also sagen, Ihr persönlicher Werdegang war damals schon ersichtlich?

 

Klaus Früh: Ja, auf jeden Fall. Ich hatte jedoch ehrlich gesagt auch ziemlich Glück. Es ist natürlich schwierig, eine Entscheidung zu fällen, was man eigentlich werden will. Und so ist es auch für die Meisten natürlich nicht leicht, bei all den Möglichkeiten etwas Bestimmtes zu wählen. Ich sehe es ja auch heute bei meinen eigenen Töchtern. Man hat die Qual der Wahl.

Für mich war die Entscheidung jedoch relativ leicht. Ich wusste schon sehr früh, dass ich Biologie studieren will. Deshalb habe ich dann selbstverständlich auch meine Schulzeit darauf fokussiert, den entsprechenden Numerus Clausus zu erreichen und die Noten zu schreiben, die ich brauche, um das Biologiestudium beginnen zu können.

Jedoch bin ich dann während meinem Studium aber auch sehr von meinem eigentlichen Wunsch, Zoologie und Botanik (eher die klassische Biologie) zu studieren, sehr stark abgewichen. Also wusste ich zwar eigentlich, was ich will, habe dann letztendlich aber doch etwas Anderes gemacht.

Deshalb finde ich es auch sehr wichtig, flexibel zu sein. Man sollte sich die Freiheit lassen, seine Meinung zu ändern, wenn man merkt, dass sich Dinge nicht so entwickeln, wie man es sich vorgestellt hat.

 

David: Was wünschen Sie dem Gymnasium Kenzingen zum 140-jährigen Jubiläum?

 

Klaus Früh: (lacht) Gute Frage! Was wünsche ich dem Gymnasium? – Gute Lehrer, gute Schüler und dass auf beiden Seiten Begeisterung fürs Lernen und Lehren da ist. Die Schule ruht nämlich auf den Schultern der Lehrer. Damals hatte ich viele sehr gute und inspirierende Lehrer, die für mich auch eine Mentorenrolle eingenommen haben. Ich möchte hier besonders Ortwin Vollmer hervorheben. Diese Lehrer waren in gewisser Weise Personen, die mich in der Phase des Erwachsenwerdens unterstützt und mir sehr viel geholfen haben. Ich wünsche also der Schule, dass sie weiterhin solche Lehrkräfte bekommt; Lehrer, die vom Lehren begeistert sind und für die ihre Tätigkeit vielmehr eine Berufung als ein Beruf ist. Diese Lehrer stellen nämlich die Basis für eine ausgezeichnete Schule dar und wecken in den Schülern Begeisterung für ihr Fach.

 

Zur Person:

Der ehemalige Oberhausener Klaus Früh absolvierte vor 39 Jahren sein Abitur am Gymnasium Kenzingen. Nach seinem Studium und der Promotion an der Uni Heidelberg arbeitet er heute in Portland als Molekularbiologe und ist Professor an der Oregon Health & Science University. Mit seinen Kollegen im Unternehmen VIR Biotechnology forscht er an Impfstoffen für Krebs- und Infektionskrankheiten, wie zum Beispiel HIV.