Sonntag, 15. Dezember 2019

SOR-SMC-Projekt Schuljahr 2016/17

„Integrative Hausaufgabenbetreuung – von Schülern für Schüler“

 

Geschichte des Projekts

 

Ab dem Jahr 2015 stellte sich Deutschland durch die Zuwanderung von vielen Geflüchteten vor eine neue Herausforderung. In Kenzingen lebten im Jahr 2015 ca. 70 Geflüchtete. Für die meisten von ihnen war Kenzingen der Ort ihrer Erstunterbringung. Unser Gymnasium wurde zu der Zeit noch von keinem der Kinder besucht. Erst seit diesem Schuljahr besucht ein Kind die 5. Klasse.

Obwohl unsere Schule damals noch nicht direkt mit geflüchteten Kindern zu tun hatte, wollten unsere Schüler auf die Problematik bei der Integration der Geflüchteten aufmerksam machen und im Einzugsgebiet unserer Schule neu angekommene Geflüchtete unterstützen.

So kam es bereits im Schuljahr 2015/16 zu mehreren Aktionen. Die 81. Offene Bühne, ein Schulkonzert, das am 26.11.2015 veranstaltet wurde und unter dem Motto „Flüchtlingen eine Stimme geben“ stand, sollte mit musikalischen Beiträgen, einer Theaterperformance und der Eröffnung einer Ausstellung ein starkes Zeichen für Toleranz und Hilfsbereitschaft setzen. In Zusammenarbeit mit dem ehrenamtlichen Helferkreis der Flüchtlingsbetreuer konnten eine Gruppe von fünf engagierten Lehrerinnen in der Schule viermal pro Woche Deutschunterricht für eine Gruppe von Geflüchteten anbieten. Zudem gab es Aktionen wie das Sammeln von Fahrrädern oder Haushaltsgegenständen für die Geflüchteten. Die Spendenbereitschaft der Schulgemeinschaft war erfreulich. 

 

Vorstellung des Projekts durch Kelly Wornath (Abiturjahrgang 2017)

Die Hausaufgabenbegleitung für die Kinder der Sprachvorbereitungsklassen (VKL) der Grundschule in Kenzingen läuft schon seit Beginn des letzten Schuljahres 2016/17 und wird auch dieses Schuljahr durch die Hilfe von Schülern weiterlaufen. Es handelt sich hierbei um ein Hausaufgabenhilfe-Team, momentan bestehend aus Schülern, die teilweise auch auf das Gymnasium in Kenzingen gehen.

Zusammen planten Frau Gündel (Leiterin der ,,Eine-Welt-AG“ am Gymnasium Kenzingen ), Frau Renate Günter-Bächle ( Flüchtlingsbeauftragte in Kenzingen) und Frau Kuschill ( Klassenlehrerin der Vorbereitungsklasse an der Grundschule in Kenzingen ) die Hausaufgabenhilfe und wir fingen zunächst einmal klein an. Zu Anfang des letzten Schuljahres besuchten 5 Schüler regelmäßig von Montag bis Mittwoch von 14.00 Uhr bis 15:30 Uhr die Hausaufgabenhilfe. Für jeden Tag war eine andere Schülerin den VKL-Schülern zugeteilt. Doch die Kinder brachten immer häufiger ihre jüngeren Geschwister mit. Aus diesem Grund sind wir seit diesem Schuljahr jetzt schon mit elf Schülern beschäftigt und kümmern uns auch zu zweit um die Kinder. Außerdem haben wir es geschafft die Hausaufgabenhilfe jetzt auch donnerstags einzurichten, was die Kinder äußerst schätzen.

Die Kinder werden immer fleißiger und ihr Deutsch immer besser. Ich kann mich inzwischen schon viel leichter mit den Kindern, die schon seit letztem Schuljahr dabei sind unterhalten. Ihre neuen Kenntnisse sind eine ungemeine Hilfe, da wir uns dadurch besser auf die neuen Schüler in der Gruppe konzentrieren können,die noch kaum bis gar kein deutsch sprechen können, während die anderen selbstständiger arbeiten.

Vor allem die Kinder, die jetzt erst in der ersten Klasse sind brauchen viel Zuwendung um richtig deutsch sprechen und schreiben zu lernen.

Es heißt Kinder haben eine bessere Aufnahmefähigkeit, um eine Sprache zu lernen, deswegen ist die Hilfe für die Grundschulkinder so sinnvoll.

Ich habe den Eindruck, dass die Zeit, die wir uns für die Kinder nehmen, von ihnen als wertvoll eingeschätzt wird. Sie machen wirklich jede Woche Fortschritte und zeigen stets Interesse. Die Schüler sind sogar so motiviert, dass sie am Ende der Hausaufgabenhilfe gar nicht mehr gehen möchten, weil sie noch so viel schaffen wollen.

Den Kindern zu helfen ist für mich eine große Freude. Mir war es sehr wichtig auch dieses Schuljahr für die Kinder und den Zuwachs da zu sein und ihnen noch mehr beizubringen. Man bekommt dabei so viel Dankbarkeit zurück, jedes mal wenn mir zu Anfang kleine Blumen auf den Tisch gelegt werden oder ich umarmt werde, weiß ich, dass ich etwas richtig machen muss. Es ist einfach wichtig für die Kinder mit uns deutsch zu sprechen und ihre Hausaufgaben zu verstehen. Wir möchten auch die Eltern entlasten, die sich vielleicht nicht so gut mit den Aufgabenstellungen auskennen können, wie wir Schüler, die vor noch gar nicht so langer Zeit genau diese Aufgaben selbst lösen mussten.

 

Lara Riesterer, Klasse 10

Anfangs wurde uns in der Sitzung der Einen-Welt-AG mitgeteilt, dass die Grundschule Kenzingen noch Freiwillige für die Hausaufgabenbetreuung von Flüchtlingskindern der Klassen 1-4 suche. Ich habe mich sehr für dieses Projekt interessiert, da ich der Meinung bin, dass wir den Menschen, die ihr Land aus tragischen Gründen verlassen mussten, helfen müssen um ihnen und vor allem den Kindern eine unbeschwerte Zukunft zu ermöglichen.

Ich traf mich einige Wochen später mit der Flüchtlingsbeauftragten der Stadt Kenzingen, der betreuenden Lehrkraft der Einen-Welt-AG und zwei weiteren Schülerinnen, die ebenfalls Interesse an dem Projekt zeigten. Wir vereinbarten einen ersten Termin und teilten die Wochentage Montag bis Mittwoch untereinander auf.

In der darauffolgenden Woche ging es los. Ich kam am Mittwoch um 13.45 Uhr in die Grundschule um die Kinder um 14.00Uhr zu empfangen. In den ersten Wochen kamen drei Kinder, in den weiteren Wochen wurden es bis zu fünf Kinder.

Es war nicht immer einfach die Kinder 90 Minuten lang für ihre Hausaufgaben zu begeistern, aber es brachte jedes Mal viel Spaß. In kleinen Pausen erzählten die Kinder aber auch von sich aus von ihren unterschiedlichen Schicksalen, wessen Brüder noch nicht in Deutschland angekommen sind oder Ähnlichem. All dies hat mich sehr berührt, aber beinahe noch mehr berührt hat mich, dass diese jungen Menschen trotz alle dem, was sie bereits erlebt hatten, so viel Spaß haben und endlich ganz normale Kinder sein können.

 

Ksenija Tribe , Julija Anikina, Klasse 9

Die Hausaufgabenbetreuung ist für uns sehr wichtig, da wir wissen, dass die Kinder eine schwere Zeit hinter sich haben. Wir können sie gut verstehen, weil Deutsch nicht unsere Muttersprache ist und wir deshalb einen ähnlichen Weg gegangen sind. Glücklicherweise wurde uns auch geholfen, die Sprache besser kennenzulernen und zu verstehen. Wir wollen den Kindern helfen in deutschen Schulen klarzukommen und möchten ihnen ein leichteres Lernen ermöglichen. Es macht uns Spaß ihnen zu helfen und unsere Zeit mit ihnen zu verbringen. Jedes Kind verdient eine gute Bildung und wir freuen uns, dass das Gymnasium Kenzingen Projekte wie diese unterstützt. 

 

Das Projekt „Integrative Hausaufgabenbetreuung – von Schülern für Schüler“ hat am Förderwettbewerb "Demokratisch handeln" teilgenommen.

 


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